☰ Menu

Aktuelles

 

Was, wenn ich nur noch einen Monat zu leben hätte …?

Was würde ich dann tun? Würde ich tatsächlich noch etwas verändern wollen in dieser kurzen Zeit? Würde ich schnell noch ein paar meiner Träume verwirklichen? Oder würde ich mich dadurch bloß schlechter fühlen, weil ich scheitern könnte und keine Chance mehr habe auf einen nächsten Versuch? Würde ich vielleicht doch einfach weitermachen wie bisher?

Was würde ich noch schnell erledigen, solange die Zeit dafür bleibt? Testament, Bestattungsfragen, wer nimmt die Katzen? Es gibt genug zu tun, wenn man noch die Gelegenheit dazu hat. Aber was davon ist mir wirklich wichtig? Um was würde ich mich tatsächlich kümmern, wenn es hart auf hart kommt?

Würde ich mir tatsächlich noch die Mühe machen, hinter mir aufzuräumen? Oder würde ich vielmehr versuchen, die letzten Momente so gut es geht zu genießen – auch auf die Gefahr hin, eine Spur des Chaos zu hinterlassen? Wer könnte mir das schon übel nehmen? Wo liegen die wahren Prioritäten, wenn alles andere unbedeutend wird? Was ist richtig? Und vor allem: Was fühlt sich für mich richtig an?

Und würde ich bereuen? Mir wünschen, mehr aus meinem Leben gemacht zu machen? Oder vielleicht auch weniger und dafür mehr Zeit mit meinen Kindern verbracht zu haben oder mit anderen Menschen, die mir lieb sind? Gäbe es denn einen Grund, zu bereuen?

Oder könnte ich guten Gewissens loslassen, im Wissen, ein glückliches Leben geführt zu haben? Führe ich ein solches Leben? Und falls nicht – warum?

Diese und viele andere Fragen können sehr bedeutend sein. Deswegen sollten wir sie nicht erst stellen, wenn es vielleicht schon zu spät ist. Sondern jetzt und hier. Und immer wieder mal zwischendurch. Denn so können wir unseren Fokus auf das richten, was wirklich von Bedeutung ist.

Eine Schweigeminute

Die Welt prescht unnachgiebig voran. Oft sind wir so sehr beschäftigt mit all den Herausforderungen, die Tag für Tag auf uns einprasseln, dass gar keine Zeit mehr bleibt, um einmal ganz in Ruhe zurückzuschauen – auf das, was hinter uns liegt und uns an diesen Punkt gebracht hat. Denn der Fokus bleibt in der Regel nach vorne gerichtet. Auf das, was noch kommt und was wir uns wünschen für unsere Zukunft.

Doch ab und an darf auch mal Zeit sein für eine Schweigeminute. Einfach einen kurzen Moment innehalten und den Gedanken Raum geben. Einen Blick über die Schulter werfen auf all die Menschen, denen wir in unserem Leben begegnet sind. Die uns geprägt und begleitet oder vielleicht auch nur einen flüchtigen Eindruck hinterlassen haben. Jeder von ihnen hat einen Anteil an dem, was wir heute sind. Einige von ihnen haben noch immer einen festen Platz in unserem Herzen, andere sind ganz aus dem Bewusstsein verschwunden – und tauchen nun plötzlich wieder auf in diesen stillen Momenten, die wir der Vergangenheit zugestehen.

Viele der früheren Gesichter sind fort – entweder bloß aus unserem oder gar ganz aus dem Leben. Ihnen bleibt nur der Raum in unseren Gedanken, aber dieser Raum kann sehr mächtig sein. Für einen kurzen Moment dürfen sie wieder neben uns stehen, uns ein Lächeln schenken oder einen Ratschlag. Und so haben sie noch immer an unserem Leben teil, ganz egal, was einst passiert sein mag. Geben uns vielleicht sogar Mut, wenn wir ihn gerade brauchen. Manchmal hilft ein Gedanke auch dabei, wieder zueinander zu finden. Wege, die einst in verschiedene Richtungen gelaufen sind, wieder zusammenzuführen. Für eine kurze Begegnung oder für mehr – wer weiß das schon?

Die Vergangenheit kann eine riesige Schatzkiste sein, die immer wieder neue Überraschungen für uns bereithält. Denn das Bewusstsein ist ein Dieb, manchmal nimmt es uns wertvolle Momente und versteckt sie vor uns. Dann müssen wir selbst aktiv werden, um die Kiste zu finden und eine Weile darin zu stöbern. Und es kostet uns ja auch nicht viel: bloß eine Handvoll Augenblicke, die uns sonst ebenso leicht durch die Finger rinnen könnten.

Es ist nur eine Minute – aber sie hält am Leben. Uns und andere.

Bild: Von Jamen Percy - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59095054

Einfach mal rausgehen und durchatmen

Die Zeit der ständigen Kälte ist vorbei und schon seit einer ganzen Weile zeigt der Frühling an allen Ecken, wie farbenfroh und facettenreich unsere Welt auch jenseits der HD-Bildschirme sein kann. Sonne und Wärme beleben das Gemüt und bringen uns manchmal sogar so richtig ins Schwitzen. Da ist es dann nicht weiter schlimm, wenn zwischendurch mal eine Wolkenfront aufzieht – ganz ehrlich: Was gibt es denn Angenehmeres als das erfrischende Gefühl von kühlem Sommerregen auf der Haut?

Es ist jedes Mal erstaunlich, was der Wechsel der Jahreszeit bewirken kann. Probleme, die wir den Winter über mit uns herumgetragen haben, können sich im sonnengestärkten Herzen verändern und werden zu Herausforderungen – und zwar zu solchen, die sich bewältigen lassen. Und wenn uns nun etwas umtreibt, dann ist es einfach an der Zeit, einen Schritt vor die Tür zu wagen. Die Füße über Bürgersteige, Feldwege und Wiesen wandeln zu lassen und dem Kopf damit den Raum zu geben, den er braucht. Beim Gehen denkt es sich häufig besser als eingezwängt in der Wohnung oder im Büro. Unter freiem Himmel können sich die Gedanken besser entfalten – was auch wundervoll ist für den kleinen kreativen Schub für zwischendurch. Manchmal reichen dafür schon wenige Minuten.

Und was so leicht in den Hintergrund rückt: einfach mal entspannen. Einige Momente auf der Wiese liegen oder es sich auf einer Parkbank gemütlich machen. Die Sonne durch die geschlossenen Augenlider spüren. Den Kopf freibekommen. Sich etwas Zeit nehmen, um zurückzublicken.

Es klingt vielleicht seltsam – aber auch der stille Gang über den Friedhof kann sehr beruhigend und inspirierend sein. Allein der Gedanke daran, welche Geschichten sich hier verbergen. Dieser Ort hat viel zu erzählen über das, was vor uns war. Und wenn wir ihn schließlich wieder verlassen, haben wir womöglich auch ein geschärftes Bewusstsein für das, was vor uns liegt.

Bild: By Uoaei1 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50284353

Wenn da plötzlich diese riesige Wand vor uns steht

Wie viel Zeit unseres Lebens verschwenden wir damit, gegen Wände zu laufen? Wenn etwas schiefgeht oder nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben, worauf konzentrieren wir uns dann? Auf das Loslassen und Weitermachen – nun aber auf anderen Wegen? Oder nicht doch vielmehr auf den Schmerz über das Scheitern und den verzweifelten Wunsch nach einer göttlichen Fügung?

Ob es sich um ein verpatztes Bewerbungsgespräch handelt, eine zerbrochene Beziehung oder gar den Verlust eines geliebten Menschen – es dauert meist eine ganze Weile, bis wir die Situation akzeptieren und den Blick wieder öffnen können. Da ist plötzlich diese riesige Mauer vor uns und wir müssen irgendwie hindurch. Also rennen wir dagegen an, wieder und wieder. Aber warum wollen wir überhaupt hindurch? Ist es denn nicht besser, einen Schritt zurückzutreten und einen Weg zu suchen, der an ihr vorbeiführt?

Wir tun weder uns noch anderen einen Gefallen damit, wenn wir der Wut oder dem Schmerz zu viel Raum zugestehen. Wenn wir zulassen, dass sie unser Handeln bestimmen. In den meisten Fällen machen wir es dadurch sogar noch viel schlimmer, steigern uns womöglich mehr und mehr hinein, bis uns die Ereignisse irgendwann vollkommen lähmen. Sicher, es ist schwer, manchmal sogar unmöglich, seine Gefühlswelt zu kontrollieren. Doch wir können es zumindest versuchen, können die Situation zu akzeptieren lernen. Manchmal muss man erst loslassen, um wieder klar sehen zu können. Das braucht Zeit. Doch diese Zeit können wir uns nehmen.

Wenn wir die Dinge selbst nicht ändern können, dann können wir immer noch unseren Umgang mit ihnen verändern. Können uns auf die guten Aspekte konzentrieren, so klein sie auch sein mögen. Aus Fehlern lernen, schöne Erinnerungen bewahren, das wertschätzen, was wir haben. Das hilft vielleicht nur minimal. Aber es ist besser, als gegen Wände zu laufen.

Bild: Von Dietmar Rabich - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51050967

Spiel mir das Lied vom Tod …

Trauermusik gehört dazu – zu einer Abschiedsfeier und einer Bestattung. Denn die Musik trägt und beflügelt die Trauergefühle und zwängt sie nicht in Worte oder Gesten, sondern lässt sie frei.

Victor Hugo, ein französischer Schriftsteller, formulierte es so: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“

Regeln gibt es eigentlich keine, denn die Abschiedszeremonie heute soll persönlicher und individueller denn je sein. Dem Verstorbenen ein letztes Geleit geben und die Trauergesellschaft trösten – oder soll man sagen: in Stimmung bringen? Denn mittlerweile gibt es die „Best of“-Trauercharts. Für jede Gefühls- und Geschmackslage ist etwas dabei. Immer auf den Spitzenplätzen zu finden sind „Who Wants to Live Forever“ von Queen, „I Did It My Way” von Frank Sinatra, aber auch das klassische „Ave Maria” von Franz Schubert.

Sicher gehen Menschen ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer um und drücken sie individuell aus – in der Auswahl von Kleidung, Blumen und eben auch in der Musik. Der eine mag sich humorvoll verabschieden, der andere rockig und der nächste wieder klassisch instrumental, nicht jeder Trauergast wird die Auswahl ebenso als passend empfinden. Aber wie kann es sein, dass oftmals die gleiche Musik erklingt, als gäbe es nur einige wenige Musikstücke?

Musik zur persönlichen Untermalung einer Abschiedsfeier – gerne ja!

Musik zur reinen Inszenierung einer dramatischen Klangkulisse – besser nein!

Nehmen Sie sich doch die Zeit und hören Sie in sich hinein, welche Musik Ihnen in Ihrer Trauer am Herzen liegt – dann liegen Sie mit Ihrer Auswahl sicher richtig und die Musik wird einen wichtigen Beitrag zum Abschied leisten.

Viele Bestatter haben auf ihren Webseiten ganze musikalische Bibliotheken zur Auswahl, hier finden Sie nicht nur die „Best of“, sondern können sich inspirieren lassen und etwas persönlich Passendes finden.

Eine schöne und innige Aufgabe in traurigen Zeiten!

Bild: By Petar Miloševic (Own work, stacked 8 macro images) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Gestern habe ich über den Tod nachgedacht …

Gestern habe ich über den Tod nachgedacht …

Gestern habe ich darüber nachgedacht, was wohl passiert, wenn ich mal tot bin. Also ob ich dann in den Himmel komme und so. Wie es da so aussieht und ob es den Menschen da gut geht. Dann habe ich mich gefragt, ob es den Himmel überhaupt gibt. Meine Schwester hat gesagt, das alles ist Blödsinn. Wenn wir tot sind, dann sind wir tot. Da ist dann nichts mehr. Nur Schwärze und so.

Ich weiß nicht, ob sie recht hat. Mama glaubt an den Himmel und ich weiß, dass Mama oft recht hat. Also hoffe ich, dass es den Himmel gibt und dass ich mal dorthin komme. Aber ich weiß es ja nicht und wenn es soweit ist, dann kann ich ja eh nichts daran ändern. Also brauche ich auch nicht darüber nachzudenken.

Nur gibt es ja dann nicht nur mich, wo immer ich dann bin, sondern auch die anderen: meine Schwester und meinen Bruder und meine Mama und meinen Papa und Oma und Opa und meine andere Oma und meinen anderen Opa. Die sind bestimmt traurig, weil ich nicht mehr da bin. Sie wollen bestimmt auch, dass ich es gut habe und dass meine Beerdigung schön ist. Und dann habe ich über Beerdigungen nachgedacht.

Das ist ja ganz unterschiedlich. Die Oma von meiner Freundin wurde auf einem Friedhof beigesetzt, wie sich das gehört, aber der Vater von einem aus meiner Klasse, der wurde erst verbrannt und dann wurde die Asche mitten auf dem Meer begraben. Also begraben ist ja nicht das richtige Wort, sie wurde einfach in so einem Gefäß ins Wasser gelassen. Und dieses Gefäß löst sich dann auf und dann ist dieser Mensch da mitten im Meer, überall.

Ich finde, das ist ein schöner Gedanke, überall im Meer zu sein. Ich habe darüber nachgedacht, dass ich das auch gerne so hätte. Da schwimme ich dann in ganz kleinen Teilchen im Wasser und kann die ganze Welt sehen. Das Meer ist ja riesig und ich kann überallhin. Und wenn es warm ist, dann gibt es Wasserdampf und vielleicht bin ich dann auch in dem Wasserdampf und steige nach oben in den Himmel. Und wenn es da oben dann kalt wird, dann komme ich als Schnee oder Regen wieder herunter und kehre zurück ins Wasser. Dann bin ich ein Teil des Wasserkreislaufs, wie wir ihn in Erdkunde gelernt haben. Das ist doch voll schön, oder? Wenn wir uns jetzt vorstellen, all die Menschen, die jetzt nicht mehr da sind, sind die ganze Zeit im Wasser oder in der Luft. Also, ich find‘ das toll.

Aber dann habe ich gedacht, dass Mama das vielleicht nicht so schön findet. Als Uropa und dann Uroma gestorben sind, da gab es so eine richtig riesige Beerdigung und da denkt sie manchmal noch dran und wenn es ihr schlecht geht, dann geht sie zum Friedhof und besucht Uroma und Uropa. Sie nimmt dann immer Blumen mit und legt sie aufs Grab und manchmal nimmt sie auch eine Kerze mit. Einmal haben wir die zusammen angezündet. Mama hat gesagt, das Feuer ist wie die Erinnerung. Wir haben sie die ganze Zeit bei uns und können sie jederzeit hervorholen, indem wir an jemanden denken. Wenn wir ganz fest an jemanden denken, dann ist das wie diese Kerze, die für eine Weile ganz hell leuchtet. Damit halten wir die Erinnerung am Leben, indem wir sie immer wieder leuchten lassen. Dann wissen wir, dass sie noch da ist, und sie gibt uns Licht, wenn wir uns mal so fühlen, als wäre alles dunkel, weil wir traurig sind.

Jedenfalls weiß ich, dass Mama das nicht so gut fände, wenn ich überall im Wasser und in der Luft wäre. Ihr ist es bestimmt lieber, wenn ich einen schönen Platz auf dem Friedhof habe. Und wenn sie mal traurig ist, dann kommt sie mich besuchen und wir reden ein bisschen. Natürlich können wir nicht wirklich miteinander reden, aber manchmal fühlt sich das auf dem Friedhof so an, als ob das geht. Das ist dann richtig schön. Ich habe das auch mal gemacht mit Uroma und Uropa und obwohl ich die beiden gar nicht so richtig kannte, hat sich das gut angefühlt. Es waren auch ganz, ganz liebe Menschen, hat Mama gesagt. Und sie waren immer für uns da und haben oft auf mich und Lara aufgepasst, wenn Mama und Papa mal unterwegs sein mussten. Und wir haben uns immer darauf gefreut, sagt Mama.

Ich habe mal gehört, dass Friedhöfe manchmal auch anders sein können. Also nicht so, dass ein Grabstein neben dem anderen steht. Sondern da gibt es schöne Bäume und unter den Bäumen liegen dann die Menschen und die Bäume passen auf sie auf. Ich glaube, so etwas will ich auch. Dann bin ich zwar auf dem Friedhof, aber es ist doch irgendwie, als wäre ich in der Natur. Dann kann ich vielleicht doch ein Teil der Natur sein und wenn Mama mich besuchen kommen möchte, dann kommt sie einfach vorbei.

Weil ich das alles so wichtig finde, habe ich dann noch viel mehr über meine Beerdigung nachgedacht. Auch wen ich dahaben will und wie das alles dann so abläuft. Ich will, dass es die Leute auf meiner Beerdigung gut haben und deswegen gibt es auch ganz lecker Essen. Aber erst danach, denn auf dem Friedhof isst man ja nicht. Ich will auch so schöne Musik haben, die dann gespielt wird, und ganz viele Blumen. Ich mag Blumen und wenn die überall sind, dann freut sich Oma bestimmt ganz doll, weil die mag auch voll gerne Blumen.

Ich hab‘ das dann aufgeschrieben und dabei sind mir noch ganz viele Gedanken gekommen. Wie der Sarg aussehen soll oder ich glaube, wenn ich unter einem Baum sein möchte, dann ist das eine Urne. Ganz bunt soll die sein. Sowas gibt es auch schon. Ich habe mir an Papas Computer ein paar Bilder angeguckt und dann eine ausgesucht. Ich habe auch aufgeschrieben, wer alles kommen soll, und die sollen alle ganz schöne Karten bekommen als Einladung. Bei Uroma war da ein Bild von ihr drauf, aber ich möchte ein Bild von unserer ganzen Familie. Das ist viel schöner, weil das heißt, dass wir dann immer noch zusammen sind. In Gedanken jedenfalls, weil wir uns ganz doll liebhaben.

Als ich dann alles auf einen Zettel geschrieben habe und sogar Bilder dazu gemalt, habe ich es Papa gezeigt. Er hat mich erst ganz komisch angesehen und mich gefragt, warum ich denn über so etwas nachdenke. Aber als ich dann gesagt habe, dass das wichtig ist, weil ja sonst keiner weiß, wie ich das haben will, hat er gelacht. Und dann hat er gesagt, dass man das auch beim Bestatter machen kann, und der schreibt das dann alles für einen auf. Als ich gefragt habe, ob er das gemacht hat, hat er bloß mit dem Kopf geschüttelt. Also habe ich gesagt, dass wir ja zusammen mal hingehen können, ich mit meinen Zetteln und er kann sich ja auch mal Gedanken machen. Ich helfe ihm auch dabei. Dann hat er wieder gelacht, aber nur kurz. Plötzlich hat er so ernst geguckt. Das macht er immer, wenn er ganz doll nachdenkt. Und dann hat er gesagt, in Ordnung, das machen wir. Jetzt gehen wir bald zusammen zum Bestatter. Ich bin gespannt, was der sagt.

Bild: By Charlesjsharp - Own work, from Sharp Photography, sharpphotography, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49684512

Wie im Taubenschlag … Kolumbarien – Grabstellen der Zukunft?

Wie im Taubenschlag … Kolumbarien – Grabstellen der Zukunft?

Kolumbarium: lateinisch columbarium „Taubenschlag“, zu columba „Taube“

„Aus der Antike in die Zukunft!“ - so könnte eine Geschichte über Kolumbarien beginnen. Denn was vermeintlich neu ist und noch viele Friedhofsbesucher erstaunt, hat bereits eine jahrhundertelange Geschichte hinter sich.

Die ersten Kolumbarien stammen aus der Neuzeit und befinden sich in und rund um Rom. Ursprünglich war diese Art der Bestattung für die zahlreichen Sklaven der vermögenden Leute gedacht, denn diese hatten auch die Bestattungspflicht für ihre Sklaven inne. Aber auch freie Bürger mit geringeren finanziellen Mitteln erwarben hier ihre letzte Ruhestätte.

Ende des 19. Jahrhunderts hielten Kolumbarien in Deutschland ihren Einzug. 1878 wurde in Gotha das erste deutsche Krematorium zur Feuerbestattung eröffnet. Dem Krematorium angeschlossen war eine große Halle, in der die Urnen der Verstorbenen beigesetzt wurden – ein Kolumbarium. Schon wenige Jahre später waren alle Plätze vergeben und es wurde ein eigenständiges Kolumbarium gebaut. Es folgten Kolumbarien in Wiesbaden, Leipzig und Berlin. Um günstige Bestattungsarten geht es nun schon lange nicht mehr, die Urnenbestattung ist Teil der Bestattungskultur mit Aufwärtstrend.

Nach der Akzeptanz der Feuerbestattung durch die katholische Kirche wird der Anteil der Feuerbestattungen immer größer. Die Gründe hierfür sind vielfältig und haben sehr oft nichts mehr damit zu tun, eine besonders günstige Bestattung zu haben. Heute gibt es Kolumbarien in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Auf vielen Friedhöfen werden antike Grabanlagen in Kolumbarien umgewandelt, Kirchen und Kapellen werden umgewidmet und ebenfalls als moderner Urnenbestattungsort genutzt. Die architektonischen Lösungen sind oftmals sehr modern und dokumentieren den Wandel der Trauerkultur. 2004 eröffnete in Krefeld das erste Kolumbarium auf einem christlichen Friedhof, etliche folgten seither. Tendenz steigend.

Auch Urnenstelen gehören mittlerweile zum bekannten Bild des Friedhofs. Engagierte Friedhöfe inszenieren diese Orte der Erinnerung auf schöne Art und Weise und integrieren sie geschickt in die grünen Oasen der Städte.

Bild: Von Chlor at da.wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14638348

Friedhof verändern – Teil 2: In die Mitte des Lebens rücken

Friedhof verändern – Teil 2: In die Mitte des Lebens rücken

Wenn Sie sich einen Ort vorstellen, an dem Sie morgens vor der Arbeit eine Runde joggen gehen, wo Sie in der Mittagspause die warmen Sonnenstrahlen auf den geschlossenen Augenlidern genießen und dann am Nachmittag gemeinsam mit Ihren Kindern eine Picknickdecke ausbreiten, um den Alltagsquerelen zum Trotz einige dieser so wertvollen Kodak-Momente zu erleben – woran denken Sie da? Sicher nicht an Friedhof. Aber wäre das so absurd?

Die meisten Friedhöfe sind sehr stille und irgendwie auch ein wenig trostlose Orte. Menschen kommen hierher, um zu trauern. Jeder Ausdruck von Fröhlichkeit oder gar ein glockenklares Lachen, das über die Gräber schallt, käme einem Frevel gleich. Es ist allgemeiner Konsens, sich auf einem Friedhof möglichst ruhig und „respektvoll“ zu verhalten. Das gehört sich einfach so.

Das Problem dabei ist: Der Friedhof, so wie er jetzt besteht, ist vom Aussterben bedroht. – Ironie des Todes, könnte man sagen.

Immer weniger Menschen legen wirklich Wert auf ein schönes Grab. Und warum auch, wenn dieser Wert kaum noch spürbar ist? Lohnt sich der Aufwand denn überhaupt für den obligatorischen Friedhofsbesuch einmal im Jahr? Da können wir doch lieber gleich die Sparvariante nehmen. Die, bei deren Anblick sich die Trauer quasi ganz von alleine einstellt.

Doch es geht auch anders – an manchen Orten bereits heute schon:

Mitten auf dem Dortmunder Hauptfriedhof weiden Schafe auf einer großen Wiese. Tagsüber trifft man auf den Wegen immer mal wieder Sportler an, teils sogar in größeren Gruppen. Auch die Tier- und Pflanzenwelt zeigt sich hier von ihrer besten Seite. Es gibt viel zu sehen. Eine Zeit lang soll sogar einmal ein Mann auf diesem Friedhof gelebt haben – so sagt man sich.

Dieses und andere Beispiele geben einen kleinen Ausblick auf das, was Friedhof werden kann: ein Ort, der den Tod und das Leben vereint. Hier geht es nicht nur um Trauer, sondern vielmehr um all die schönen Erinnerungen, die uns auch weiterhin begleiten. Doch damit das möglich ist, müssen wir den Friedhof mehr in unsere Mitte rücken und offener mit diesem Thema umgehen – miteinander sprechen, verändern, gestalten. Sicher, die eigentliche Handlung spielt sich dann vor allem dort ab, wo Friedhofsverordnungen aufgesetzt werden. Aber grundsätzlich ändern muss sich etwas erst einmal ganz woanders: in unser aller Köpfen.

Bild: By --Böhringer (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Friedhof verändern – Teil 1: Anker der Erinnerung statt Abstellgleis

Friedhöfe sind toll: Da ist ein Ort für jene Menschen, die uns entrissen wurden, und wir können jederzeit dorthin, um sie zu besuchen. Natürlich nicht „besuchen“ in dem Sinne, wie wir alte Freunde besuchen – dennoch gibt uns die Grabstelle ein besonderes Gefühl der Nähe und der Verbundenheit.

Und warum gehen wir dann nicht regelmäßiger auf den Friedhof?

Doch Friedhöfe sind oft auch alt und insgesamt wenig attraktiv. Das Grusel-Flair aus Kindheitstagen geistert noch immer leise durch den Hinterkopf und findet sich bloß bestätigt, wenn bei einem dieser lästigen Pflichtbesuche wieder alles durch und durch nach Friedhof aussieht. Park ist irgendwie schöner.

Aber das ist auch nur ein Teil der Wahrheit.

Der eigentliche Grund besteht darin, dass wir Friedhof unmittelbar mit dem Tod verbinden – und wir haben Angst vor dem Tod. Obwohl oder gerade weil er zu jenen Themen gehört, die wirklich jeden von uns betreffen, schieben wir ihn so weit wie möglich von uns weg. Und mit ihm auch jene Menschen, die wir an ihn verloren haben. Friedhof ist ein bisschen wie Altersheim: Es ist ein gutes Gefühl, einen nahestehenden Menschen dort gut aufgehoben zu wissen. Aber der Gedanke an einen Besuch verursacht immer ein leicht mulmiges Gefühl.

Sicherlich wäre es gut für uns alle, den Tod als Tabuthema aufzubrechen. Gespräche über ihn gesellschaftsfähig zu machen. Es wäre vermutlich ein befreiender Schritt – dafür sicherlich kein leichter.

Fangen wir also klein an: mit dem Friedhof.

Wenn ich einen Friedhof betrete, dann denke ich nicht an den Tod – sondern an einzigartige Menschen und an das Leben, das sie geführt haben. Wäre das Leben ein Film, dann wäre der Tod bloß der Abspann. Er gehört dazu. Aber er ist nicht das, weswegen wir uns einen Film noch mal anschauen.

Sterbegeldversicherung versus Treuhand-Bestattungsvorsorgevertrag?

Bild: Von Petar Miloševic - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52574050
Bild: Von Petar Miloševic - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52574050

Wenn das Lebensende nicht mehr meilenweit entfernt oder komplett außer Sichtweite ist, ist für viele die Zeit gekommen, über das Alter hinauszuschauen – was ist, wenn der Tod kommt?

Eine Bestattungsvorsorge ist die konsequente und verantwortungsvolle Fortführung der Sicherung des Alters. Die Kosten einer würdevollen Bestattung sind erheblich und müssen komplett aus eigener Tasche gezahlt werden. Wer nicht privat für seinen letzten Weg vorgesorgt hat, nimmt in Kauf, dass seine Familienangehörigen für sämtliche Kosten aufkommen müssen. Finanzielle Vorsorge ist deshalb unbedingt empfehlenswert.

Welche Möglichkeiten gibt es zur finanziellen Sicherung des letzten Weges?

Bestattungsvorsorge-Treuhandvertrag:

Als Kunde haben Sie hier gleich zwei Partner, den Bestatter als Ihren Berater und die Treuhand als Sicherer der eingezahlten Beträge.

Für die Vertragsinhalte der Vorsorge gibt es keine zwingenden Vorgaben, es geht darum, einen Kostenaufwand nach Ihren Wünschen zu ermitteln. Die finanzielle Absicherung erfolgt durch die zu Lebzeiten eingezahlte Summe (monatlich oder einmalig) auf das Treuhandkonto. Dieses Geld ist sowohl vor der Insolvenz des Bestatters als auch vor dem Zugriff der Sozialkassen geschützt – es kann nur zum Zwecke der Bestattung genutzt werden. Weder das Alter des Kunden noch sein Gesundheitszustand sind von Bedeutung.

Sterbegeldversicherung

Hier ist der Partner eine Versicherung und die Art der Absicherung ist einer Kapital-Lebensversicherung ähnlich. Der Versicherungsnehmer zahlt einen berechneten monatlichen Betrag ein. Eintrittsalter und Gesundheitszustand spielen bei der Festlegung eine große Rolle. Im Todesfall wird an die benannten Hinterbliebenen eine Kapitalsumme ausgezahlt. Diese Summe muss nicht gleich der eingezahlten Summe sein, da die Versicherer oftmals einen Anteil der geleisteten Beträge als Risikoabsicherung einbehalten.

Eine inhaltliche Bestattungsvorsorge führen die Versicherer nicht durch, persönliche Bestattungswünsche sind nicht berücksichtigt oder festgehalten. Der Zugriff der Sozialkassen bei einer Privatinsolvenz ist nicht ausgeschlossen, es muss aber ein Schonvermögen verbleiben.

Für welche Variante sich Vorsorgende entscheiden, ist wohl eine Geschmacksfrage und vor allem eine Frage des Preis- Leistungs-Verhältnisses und der Sicherung desselben.

In jedem Fall sollte der Vorsorgende einen Bestatter zu Rate ziehen. Auch das Einholen und Vergleichen verschiedener Versicherungsangebote ist sinnvoll.

Bild: Von Petar Miloševic - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52574050

Mensch versus Zeit

Bild:Von Khoroshkov - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49088446
Bild:Von Khoroshkov - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49088446

Woran bemisst sich der Wert eines Lebens? An seiner Dauer? – Bestimmt nicht. Und doch haben wir das Gefühl, dass uns ständig die Zeit davonrennt …

Wenn wir uns nun einen Augenblick davon nehmen und darüber nachsinnen, was im Rückblick gesehen wirklich wichtig ist, so werden sich schnell einige Spitzen abzeichnen: prägende Momente mit unserem Partner, mit unseren Kindern oder mit Freunden – besondere Erfolgserlebnisse in der Schule, im Beruf oder anderswo – Augenblicke jugendlicher Unsterblichkeit (die einige Lenze später immer einen Hauch von Wehmütigkeit hinterlassen). Und wenn wir dann all diese Momente auf einen Haufen werfen – wie viel Zeit kommt da zusammen?

Unser Gedächtnis beherrscht das Prinzip „Qualität vor Quantität“ in Perfektion. Wer erinnert sich schon in aller Ausführlichkeit an all die trägen Nachmittage im Büro, an endlose Minuten in Warteschlangen, an die gesamte Zeit, die wir mit Zähneputzen verbracht haben? Im Filter der Erinnerung wird vieles ausgesiebt, was im Nachhinein nicht wichtig ist. Und zurück bleibt bloß eine gute Hand voller Gedankengold.

Dieses Wissen ist sehr wertvoll, denn es zeigt: Selbst in kleinsten Zeitspannen steckt ein unglaubliches Potenzial an Lebensqualität. Das sollten wir im Gedächtnis behalten für ebenjene Gelegenheiten, in denen uns gefühlt die Zeit abhandengekommen ist. Denn Zeit allein ist nicht wichtig – sondern vielmehr das, was wir daraus machen.

Und noch ein kleiner Gedanke: All die besonderen Augenblicke aus der Vergangenheit tragen wir immer bei uns. Wenn wir zwischendurch eine kleine Stärkung für den weiteren Weg brauchen, sind sie da. Und es kostet uns kaum Zeit.

Bild:Von Khoroshkov - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49088446

Trost(los) - Trauerhilfe für die dunkle Zeit.

Bild:By Dietmar Rabich - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32016498
Bild:By Dietmar Rabich - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32016498

Spätestens im November ist es wieder so weit - die dunkle Jahreszeit beginnt. Für manche ist sie die gemütlichste und tröstlichste Zeit schlechthin, für andere wohl die einsamste und trostloseste.

Ermutigend / beruhigend / hoffnungsvoll: Synonyme für „tröstlich“.
Düster / hoffnungslos / betrüblich: Synonyme für „trostlos“.

Nur ein paar Worte, die verstehen lassen, in welchen emotionalen Lagen sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen befinden können. Für „Trost-(lose)“ Trauernde ist diese Zeit besonders schwer. Für trauernde Menschen, die nicht in einem funktionierenden Familienverbund leben, für Menschen, die nicht auf Freunde zählen können, für Menschen, die schlicht allein sind, ist die dunkle Jahreszeit sicher noch hoffnungsloser und es Bedarf des Trostes.

Viele Bestatter sehen schon lange diesen Bedarf menschlichen Zuspruchs und haben selbst eine Ausbildung als Trauerbegleiter absolviert oder arbeiten mit professionellen Trauerbegleitern zusammen. Trauercafés und Treffpunkte für trauernde Angehörige haben sich sowohl bei Bestattungshäusern als auch bei anderen Institutionen wie Kirchengemeinden, Hospizen und Krankenhäusern etabliert.

Denn was der Trauernde ganz sicher braucht, ist Trost. Um nicht trostlos zu bleiben, sondern hoffnungsvoll durch die dunkle Zeit zu kommen.

Informationen über Trauercafés oder Trauergruppen in Ihrer Nähe erhalten Sie in Ihren Gemeinden, im Internet und sicher auch bei Ihrem Bestatter.

Bild:By Dietmar Rabich - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32016498

Für Gesten ist es nie zu spät

Bild: Von Hubertl - Eigenes Werk, CC-BY 4.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=36729791.jpg
Bild: Von Berthold Werner - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21720656

Da ist dieses schlechte Gewissen, weil wir Oma schon seit einiger Zeit nicht mehr besucht haben. Aber uns fehlt momentan leider einfach die Zeit dafür, die Arbeit verlangt uns einiges ab und auch sonst geht es gerade hoch her. Also verbannen wir den Gedanken tief in unseren Hinterkopf und widmen uns wieder den Tücken des Alltags. Schließlich geht es ja auch nicht anders.

Zwei Monate später haben wir noch immer keine Zeit gefunden und plötzlich ist Oma tot.

Diese Geschichte ist so oder so ähnlich wohl schon unzählige Male passiert. Das Versäumnis zieht ein Gefühl tiefer Schuld nach sich. Natürlich war es keine Böswilligkeit, vielmehr wurden bloß aus Unwissenheit die falschen Prioritäten gesetzt. Und doch verstärkt das eigene Schuldbewusstsein den Schmerz über den Verlust um ein Vielfaches. Die Gelegenheit zu einer letzten Begegnung ist ungenutzt verstrichen und der Abschied so schrecklich abrupt.

Aber auch wenn keine direkte Möglichkeit der Wiedergutmachung besteht, so können Sie trotzdem etwas tun: nun für Oma da sein und sich liebevoll um die Einzelheiten der Bestattung kümmern. Zeigen Sie, wie wichtig sie Ihnen ist, auch wenn sie selbst es nicht mehr miterlebt. Machen Sie es für sich – um so zumindest im Nachhinein das Richtige zu tun. Ob sich das in einem aufwendigen Abschied äußert, bei dem Sie sämtliche Register ziehen, oder in kleinen, aber besonderen Gesten der Wertschätzung, das bleibt dabei ganz Ihnen überlassen. Machen Sie es so, wie es sich für Sie richtig anfühlt.

Und überhaupt: Wenn Sie zu Lebzeiten eines besonderen Menschen etwas versäumt haben, holen Sie es einfach nach. Schreiben Sie einen Brief an ihn, unternehmen Sie die Reise, von der Sie immer gemeinsam geträumt haben. Was auch immer Sie schon so lange verfolgt – tun Sie das, was Sie vorher nicht getan haben. Es wird Ihnen guttun. Denn für Gesten ist es nie zu spät.

Bild: Von Hubertl - Eigenes Werk, CC-BY 4.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=36729791.jpg

Wenn Erbe Erben sucht!

Bild: Von Berthold Werner - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21720656
Bild: Von Berthold Werner - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21720656

„3,1 Billionen Euro sind Schätzungen zufolge bis 2024 in Deutschland zu vererben. Doch nicht immer ist ein Erbe zu finden …“, so ein Artikel der WR am Samstag, den 10. September 2016.

Das ist einmal eine interessante Perspektive des Themas „Erben“, wird doch oft nur davon gesprochen, dass kein Erbe, nicht aber keine Erben vorhanden sind.

Was unternimmt also der Staat oder das Land, um rechtsstaatlich zu bleiben, wenn offensichtlich keine Angehörigen oder bestellte Erben vorhanden sind?

Nachlasspfleger werden von den Gerichten dazu bestellt, herrenloses Vermögen an die richtigen Adressaten zu überführen. Der Nachlasspfleger übernimmt anstelle der Erben die Kontrolle und Sicherung des Erbes und die daraus resultierenden Pflichten. Die Aufgabenbereiche der Pfleger sind vielfältig und reichen von der Organisation der Beerdigung über die Haushaltsauflösung bis hin zur Rechnungslegung gegenüber dem Nachlassgericht. Die Tätigkeit endet immer mit der vollständigen Abwicklung des Nachlasses oder mit dem Auffinden von tatsächlichen Erben.

In besonders kniffligen Fällen können die Nachlasspfleger ihre Fälle an Erbenermittler weitergeben. Diese beschäftigen sich in Deutschland seit mehr als 100 Jahren und seit 2010 in einem Verband organisiert mit der Suche nach Erben und mit der lückenlosen urkundlichen Dokumentation der Verwandtschaftsverhältnisse. „Manche Fälle sind so verzwickt, dass einen der sportliche Ehrgeiz packt, herauszufinden, wo die Gesuchten Spuren hinterlassen haben … Es ist eine mühevolle Kleinarbeit!“, so ein Erbenermittler aus Münster. Werden die Nachlasspfleger oder Ermittler nicht fündig, geht nach einer Karenzzeit von 30 Jahren das Erbe an das Land.

Was wird in Deutschland vererbt?*

In 2015 hinterließen die Verstorbenen in 72 % der Erbschaftsfälle Kapital. Vererbt werden in Deutschland vor allem Immobilien und Grundstücke, gefolgt von Möbeln und Schmuck. Der Anteil von zu erbenden Schulden liegt bei nur ca. 4 %.

Weitere Informationen gibt es unter: www.vdee-ev.de Verband Deutscher Erbenermittler.

(*Quelle WR Nr. 212 /RRG 1)

Für wen mache ich das hier eigentlich?

Bild:Von I, Luca Galuzzi, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1810800
Bild:Von I, Luca Galuzzi, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1810800

Unsere Verstorbenen beizusetzen, ist eines der Herzstücke unserer Kultur. Seit vielen Jahrtausenden gibt es Gräber – schon in der Steinzeit in einfacher Form, später bei den Ägyptern in teils gigantischen Ausmaßen. Der Friedhof, wie wir ihn heute kennen, ist aus dem normalen Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Warum auch? Und doch hat sich in den letzten Jahren einiges verändert:

Während die Bestattungskultur selbst zunehmend mehr Möglichkeiten eröffnet, um auf sehr persönliche und teils auch außergewöhnliche Weise Abschied zu nehmen, schwindet gleichzeitig an vielen Stellen das Bewusstsein für den eigentlichen Wert dieses Rituals. Klar, die nächsten Angehörigen befinden sich in der Verantwortung, die entsprechenden Schritte einzuleiten. Es gehört ja quasi auch zum guten Ton. Aber muss es denn wirklich etwas Besonderes sein? Das geht doch auch einfach, ohne großen Aufwand und vor allem: kostengünstig.

Sicherlich geht das. Nur ob das die richtige Entscheidung ist, zeigt sich oft erst später – wenn nichts mehr daran zu ändern ist. Deswegen sollten wir uns zuerst eine ganz elementare Frage stellen: Für wen mache ich das hier eigentlich?

Für den Verstorbenen?

Womöglich – weil sich schließlich jeder irgendwo wünscht, nicht sang- und klanglos zu verschwinden, sondern dass man an uns denkt. Und wenn wir uns schon nicht kümmern, wie können wir dann glauben, dass es später jemand bei uns tun wird? Aber für wen machen wir es dann tatsächlich? Denn rein rational gesehen, ist es für den Verstorbenen eher irrelevant, in welchem Sarg er liegt, wie die Trauerfeier abläuft oder wie sein Grab aussieht. Es wird ihm schließlich niemand mehr verraten. Wir dagegen fühlen ganz genau, ob ihm das alles gerecht wird oder nicht.

Und genau deshalb ist die Antwort im Kern meist eine andere: für mich selbst.

Denn wir sind es, die mit diesen Entscheidungen leben müssen. Wenn ein Abschied in lieblosem Ambiente stattfindet, dann sind wir es, die dasitzen und das aushalten müssen. Wir sind es, die die Erinnerung daran mit sich tragen werden, ein Leben lang. Dieser Moment ist nicht wiederholbar. Daher sollten wir unsere Entscheidungen so treffen, dass wir uns auch später noch damit gut fühlen.

Eine „besondere“ Bestattung ist übrigens nicht zwingend eine Sache der Brieftasche – vielmehr kommt es auf die vielen kleinen Details an, auf die Bereitschaft, sich einzubringen. Das kann jeder. Und es sollte nicht aus einer Pflicht heraus passieren, sondern aus dem Gefühl, dass „richtig“ zu handeln auch gut ist für uns selbst.

Wie Rituale uns helfen – in großen und kleinen Momenten

von Jacek Cisło (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons
von Jacek Cisło (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 pl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/pl/deed.en)], via Wikimedia Commons

Jeder Mensch hat seine eigenen kleinen Rituale – vom morgendlichen Kaffee vor dem Frühstück über kleine Belohnungen nach erledigten Aufgaben bis hin zur nächtlichen Lektüre, um abschalten und anschließend besser einschlafen zu können. Oft fallen sie uns schon gar nicht mehr auf, sind kaum der Rede wert. Und doch möchten wir sie auch nicht missen, denn sie verleihen uns zusätzliche Struktur und geben uns immer wieder neue Kraftschübe für den Tag. Es sind bloß Kleinigkeiten – aber eben wichtige Kleinigkeiten.

Haben wir gerade einen geliebten Menschen verloren, sind da auch wieder Rituale, diesmal andere: Trauerfeier, Beisetzung, womöglich all dem vorausgehend eine offene Aufbahrung als moderne Form der Totenwache. Es gibt ein allgemeingültiges Verständnis davon, wie solche Momente auszusehen haben – jedenfalls im Großen. Im Kleinen dagegen ist Abschied wieder eine durch und durch persönliche Sache. Die „üblichen Gepflogenheiten“ können uns zwar eine Orientierung geben, doch sie dürfen keinesfalls Gesetz sein. Es ist wichtig, dass wir auch hier unsere eigenen Rituale finden, die sich für uns richtig anfühlen.

Wenn da gerade sonst nichts mehr ist, woran wir uns festhalten können, geben uns ebenjene Rituale unverzichtbaren Halt. Dabei ist es fast schon egal, ob wir eine großzügige Trauerfeier planen oder mit kleinen Gesten unsere Dankbarkeit und Liebe zeigen – entscheidend ist, dass wir uns Gedanken machen und dabei auf unser Herz hören. Nicht an Konventionen oder Grenzen denken, sondern einfach fühlen und machen. Und falls Sie kein Freund des Besonderen sind, ist das natürlich vollkommen in Ordnung. Ein regelmäßiger Besuch am Grab beispielsweise, mit Blumen und einigen Momenten des schweigenden Gedenkens, mag sich möglicherweise trivial anhören. Aber auch das ist ein Ritual. Ein kleines, möglicherweise kaum der Rede wert – doch so lange wir uns damit wohlfühlen, ist reden ja auch gar nicht notwendig.

Niemandem zur Last fallen - oder: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

 

Bild: Böhringer Friedrich (Eigenes Werk), CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

Bild: Böhringer Friedrich (Eigenes Werk), CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

 

Vielleicht kennen auch Sie ihn, diesen wundervollen, wenn auch manchmal etwas harschen Großvater, der immer so unerschütterlich im Sturm der Ereignisse stand. Als dann schließlich doch die Zeit ihre unnachgiebigen Spuren zu hinterlassen begann, da überdeckte er jedes Abbröckeln des Putzes mit einem mitreißenden Lächeln - und konnte er dieses einmal nicht halten, so wurde er für eine Weile unsichtbar.

Jede Hilfe war überflüssig, es würde schon gehen und er wolle ja sowieso niemandem zur Last fallen.

Auch später nicht. Deshalb war da der Wunsch nach einer anonymen Bestattung. Einfach einen sauberen Schlussstrich ziehen, ohne dass sich die Kinder und Enkel um viel kümmern müssen. Alles andere kostet ja sowieso nur unnütz Geld und wer hat denn schon etwas davon?

Niemandem zur Last fallen - ein gut gemeinter und doch schrecklicher Gedanke.

Denn da ist die Tochter, die helfen will - etwas zurückgeben -, und sie darf nicht. Da ist dieses versteinerte Lächeln, das Mut machen will, aber das gleichzeitig eine liebevolle Umarmung unmöglich macht. Und da ist diese einsame Rasenfläche, zu weit, um an einer Stelle davor stehen zu bleiben und an alte Zeiten zu denken. Irgendwo hier ist die Erinnerung vergraben - aber wo?

Entscheidungen mit dem Kopf zu treffen, mag im ersten Moment richtig erscheinen – doch oft ist es das Herz, das die Konsequenzen zu tragen hat. Wenn sich etwas im Nachhinein nicht richtig anfühlt, so verursacht das Schmerzen. Dauerhaft. Und so manch einer würde womöglich den komplizierten Weg nehmen wollen, damit es das Herz einfacher hat. Vielleicht auch gerade jener Mensch, der hinter unsere Maske blickt. Für den es eine Last ist, nichts tun zu können.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir miteinander reden - und dann erst Entscheidungen treffen.